Glossar
Im Vereinigten Königreich verzeichnet die Bauwirtschaft deutlich mehr tödliche Arbeitsunfälle als der Branchendurchschnitt. Dass die Todeszahlen auf Baustellen zuletzt trotzdem niedrig geblieben sind, ist nicht zuletzt der gesetzlichen Pflicht zur Gerüstprüfung zu verdanken. Im Folgenden geht es darum, was ein Gerüst ausmacht, wie es geprüft wird und welche Rolle das für die Sicherheit der Bauarbeiter spielt.
HSE-Baustatistiken aus dem Jahr 2021 berichten:
- 74.000 Beschäftigte litten an arbeitsbedingten Erkrankungen.
- 39 tödliche Verletzungen traten bei Beschäftigten auf, davon 50 % durch Stürze aus der Höhe.
- 61.000 nicht tödliche Verletzungen traten bei Beschäftigten auf, davon 19 % durch Stürze aus der Höhe.

Wichtige Erkenntnisse
- Gerüstprüfungen kontrollieren Sicherheit und Stabilität und dokumentieren die Freigabe am Gerüst.
- Gerüste müssen nach dem Aufbau und danach mindestens wöchentlich durch eine kompetente Person geprüft werden.
- CISRS bietet Schulungen für Personen an, die professionelle Gerüstprüfungen durchführen möchten.
Was ist ein Gerüst?
Auf dem Bau dienen Gerüste dazu, sichere Arbeitsplattformen zu schaffen oder Bereiche zugänglich zu machen, die vom Boden aus nicht erreichbar sind. Es handelt sich um temporäre Konstruktionen, die aus Rohren, Kupplungen, Rahmen und ähnlichen Bauteilen zusammengesetzt werden. Arbeitsschutzvorschriften behandeln Gerüste meist als Arbeitsmittel oder Anlagen.
Das Aufbauen, Abbauen oder Verändern eines Gerüsts ist Gerüstbauarbeit. Wenn eine Person von einer solchen Konstruktion mehr als 4 Meter fallen könnte, darf diese Arbeit nur von entsprechend qualifizierten und zugelassenen Personen durchgeführt werden.

Arten von Gerüsten
Gerüste begegnen einem längst nicht nur auf der Baustelle. Film und Fernsehen, Fensterreinigung, Renovierung und Bauingenieurwesen kommen ebenfalls kaum ohne sie aus. Welche Bauart sich eignet, hängt davon ab, wo und wofür das Gerüst gebraucht wird.
Einfachgerüste werden vor allem bei Ziegelarbeiten eingesetzt und heißen auch Maurergerüste. Sie bestehen aus Ständern, Riegeln, Auslegern und ähnlichen Teilen und werden parallel zur Wand errichtet.
Doppelgerüste oder unabhängige Gerüste werden häufig bei Steinmauerwerk genutzt. Da Löcher für Ausleger in Steinwänden schwer herzustellen sind, werden zwei Gerüstreihen zur Stabilisierung errichtet. Zusätzliche Streben und Querverbände erhöhen die Festigkeit.
Konsolgerüste werden verwendet, wenn der Boden keine Ständer aufnehmen kann, wenn der Bereich an der Wand frei bleiben muss oder wenn ein oberer Wandabschnitt gebaut wird. Hängegerüste bestehen aus einer Arbeitsplattform, die mit Ketten oder Drahtseilen vom Dach abgehängt und angehoben oder abgesenkt werden kann.
Bockgerüste bestehen aus einer Plattform auf beweglichen Leitern oder Böcken und kommen meist bei Innenarbeiten wie Reparaturen und Dekorationen zum Einsatz. Stahlgerüste wiederum werden aus Stahlrohren und Kupplungen errichtet. Sie sind teurer als manche Alternative, dafür aber stabil, langlebig und brandsicher – und gerade deshalb so verbreitet.
Die Lebensdauer eines Gerüsts hängt stark vom Material ab. Ein hochwertiges Stahlgerüst kann grob geschätzt etwa 25 Jahre halten.

Rechtliche Anforderungen an Gerüstprüfungen
Prüfung und Test eines Gerüsts sind gesetzlich vorgeschrieben. Durchführen sollte sie eine kompetente Person, die für die jeweilige Gerüstart über das nötige Wissen, ausreichend Erfahrung und eine passende Schulung verfügt. Für Bauunternehmen zählt die termingerechte Prüfung zu den zentralen Compliance-Aufgaben. Im Vereinigten Königreich spielt dabei oft die Qualifikation des Construction Industry Scaffolders Record Scheme (CISRS) eine Rolle.
Plattformen für Bauarbeiten, von denen eine Person 2 Meter oder mehr fallen könnte, fallen unter die HSE-Vorschriften für Arbeiten in der Höhe. Die HSE akzeptiert außerdem die Leitlinien NASC: SG4:15 zur Vermeidung von Stürzen bei Gerüstbauarbeiten.
Ein professioneller Gerüstprüfer sorgt dafür, dass die Konstruktion sicher geplant und aufgebaut ist und das Unfallrisiko sinkt. Mitunter ist eine solche Prüfung auch nötig, um die Bedingungen einer Bauversicherung zu erfüllen.
Überlastung, Instabilität oder Schäden können ein Gerüst zum Einsturz bringen. Regelmäßige Prüfungen sollen genau das verhindern, bevor aus einer Gefahr ein Unfall wird. Beschädigte Bauteile, Rost, Korrosion oder defekte Bohlen machen die Struktur unsicher und können Stürze auslösen.

Work at Height Regulations 2005: Wann und wie werden Gerüste geprüft?
Nach den Work at Height Regulations 2005 muss vor Ort nach dem Aufbau geprüft werden und danach jeweils im Abstand von 7 Tagen. Vor der ersten Nutzung ist die Prüfung im ersten Prüfbericht oder in einer Übergabebescheinigung zu bestätigen. Genauso wichtig ist eine erneute Prüfung nach Ereignissen, die die Sicherheit beeinträchtigen können – etwa Umbauten, schlechtem Wetter oder einem Erdbeben.
Die HSE-Checkliste für Gerüstprüfungen ist umfassend. Ein Prüfer kontrolliert zum Beispiel:
Grundlegende Checkliste für Gerüstprüfungen
- Sind Komponenten und Bohlen in gutem Zustand?
- Ist das Gerüst eben und lotrecht?
- Sind Geländer vorhanden?
- Ist der Bereich um das Gerüst gesichert?
- Ist eine kompetente Person für Aufbau und Prüfung verantwortlich?
- Wurde das Prüfprotokoll unterschrieben und zur Nutzung freigegeben?
- Wurde bei unsicherem Zustand ein Hinweis wie "Nicht benutzen" an allen Zugängen angebracht?
HSE-Prüfbericht
Ein HSE-Prüfbericht sollte enthalten:
- Angaben zur Person, für die die Prüfung durchgeführt wurde
- Name und Position des Gerüstprüfers
- Datum, Uhrzeit und Ort der Prüfung
- Beschreibung der Gerüstkonstruktion
- Erkannte Risiken
- Maßnahmen zur Behebung
- Weitere erforderliche Schritte

Wer ist verantwortlich?
Das Arbeitsschutzrecht verteilt die Verantwortung für ein Gerüst auf mehrere Schultern – auf Planer, Gerüstbauunternehmen und Gerüstbauer. Ist die Prüfung erfolgt, kommt häufig eine Plakette oder Karte ans Gerüst, die den geprüften Status und die Freigabe zur Nutzung auf einen Blick erkennbar macht.
Wer darf ein Gerüst prüfen?
Wer ein Gerüst prüft, braucht die passende Ausbildung, Erfahrung und Kompetenz. Für grundlegende Konstruktionen reicht oft eine CISRS-Qualifikation aus. Bei komplexeren Gerüsten kommt man um eine weiterführende Qualifikation und reichlich Praxiserfahrung nicht herum.
Bei Systemgerüsten kommt noch Produktwissen zum jeweiligen System hinzu. Einfache Konstruktionen lassen sich nach einem Grundkurs prüfen, für komplexe Strukturen empfiehlt sich eine fortgeschrittene Qualifikation.
Wie wird man Gerüstprüfer?
Der Weg zum professionellen Gerüstprüfer führt in der Regel über einen Prüfungskurs wie das CISRS Scaffolding Inspection Training Scheme (SITS). Er richtet sich an CISRS-Karteninhaber sowie an alle, die im Rahmen gesetzlicher Vorgaben Prüfregister und Zertifikate führen.
Die Sicherheit endet aber nicht beim Prüfer: Auch wer ein Gerüst nutzt, sollte für seine Aufgabe ausreichend geschult und kompetent sein. Neue Beschäftigte im Gerüstbau brauchen eine gründliche Einweisung und die Aufsicht erfahrener Kollegen.
Gerüstprüfungen mit ToolSense

ToolSense ist eine Lösung für Asset Tracking und Equipment Management. Damit verwalten Sie Gerüstprüfungen, planen die nächste Inspektion und halten lückenlos fest, wann geprüft wurde und wer dafür verantwortlich war. Die Software für Geräteinspektionen lässt sich wie eine Gerüstprüf-App einsetzen und bündelt Checklisten und Berichte an einem Ort.
Wie ToolSense Sicherheitsinspektionen verbessert
Fazit
Gerüstprüfungen nach HSE-Vorgaben senken das Unfallrisiko spürbar. Professionelle Prüfer kontrollieren, ob ein Gerüst sicher aufgebaut und instand gehalten wird und ob es den Arbeitsschutzanforderungen genügt. Was eine Prüfung kostet, hängt von Art, Größe, Region und Komplexität des Gerüsts ab – ein Vergleich mehrerer Angebote lohnt sich daher.
FAQ
Was macht ein Gerüstprüfer?
Er nimmt ein aufgebautes Gerüst sorgfältig unter die Lupe, damit es sowohl für die Arbeitenden darauf als auch für Passanten sicher ist. Anschließend unterschreibt er das Prüfprotokoll oder die Prüfkarte.
Welche Aspekte eines Gerüsts sollten geprüft werden?
Sämtliche Komponenten – Rohre, Kupplungen, Rahmen und Bohlen – gehören auf den Prüfstand. Darüber hinaus muss die gesamte Struktur auf ihre Stabilität hin kontrolliert werden.
Welche Sicherheitsregeln gelten für Gerüste?
Im Vereinigten Königreich gelten die Work at Height Regulations 2005 für Gerüste.
Sind Gerüstprüfungen gesetzlich vorgeschrieben?
Prüfkartensysteme sind nicht in jedem Fall Pflicht. Gerüste, von denen jemand 2 Meter oder tiefer fallen könnte, müssen aber von einer kompetenten Person geprüft werden – nach der Fertigstellung und danach mindestens einmal pro Woche.
Sind Gerüstübergabezertifikate gesetzlich vorgeschrieben?
Vorgeschrieben sind Übergabeprotokolle nicht immer, doch sie bringen sowohl Gerüstbauern als auch Kunden Vorteile – ein Grund, sie trotzdem einzusetzen.
Muss man Scafftags verwenden?
Die Kennzeichnung eines Gerüsts als sicher nutzbar ist Best Practice, auch wenn sie nicht in jedem Fall gesetzlich vorgeschrieben ist.


