Glossar
In einem Notfall kann ein Erste-Hilfe-Kasten über Leben und Tod entscheiden. Fehlt die schnelle Erstversorgung, verschlechtert sich der Zustand einer verletzten Person oft, lange bevor professionelle Hilfe eintrifft. Genau deshalb schreiben viele Länder eine geeignete Erste-Hilfe-Ausstattung am Arbeitsplatz vor. Im Folgenden geht es um die Anforderungen, den Inhalt und die Einsatzbereiche solcher Kästen.
Wichtige Erkenntnisse
- Ein Erste-Hilfe-Kasten ist eine Tasche, Box oder ein Set mit Materialien und Werkzeugen zur Behandlung kleinerer Verletzungen und zur Erstversorgung.
- Die Anforderungen beschreiben die wesentlichen Artikel, die ein Erste-Hilfe-Kasten enthalten sollte.
- Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, geeignete Erste-Hilfe-Mittel bereitzustellen, um die Sicherheit am Arbeitsplatz zu unterstützen.
Was ist ein Erste-Hilfe-Kasten?
In einem Erste-Hilfe-Kasten stecken die Materialien, mit denen sich einer kranken oder verletzten Person helfen lässt, bis medizinische Fachkräfte oder der Rettungsdienst übernehmen. Üblich sind persönliche Schutzausrüstung, Medikamente, medizinische Hilfsmittel, Notfallmaterialien und ein paar praktische Zusatzartikel. Welche davon nötig sind, hängt von den Notfällen ab, mit denen am jeweiligen Arbeitsplatz zu rechnen ist. Aufbewahrt wird der Kasten am besten kühl, trocken und außerhalb der Reichweite von Kindern.
Arbeitsunfälle und berufsbedingte Erkrankungen sind leider keine Seltenheit. Die HSE-Statistiken für Gesundheit und Sicherheit 2020/2021 nennen unter anderem:
- 142 tödlich verletzte Beschäftigte bei der Arbeit
- 0,4 Millionen Beschäftigte mit nicht tödlichen Verletzungen
- 1,7 Millionen Fälle arbeitsbedingter Erkrankungen
- 12.000 Todesfälle durch Lungenerkrankungen
Welche Anforderungen gelten für Erste-Hilfe-Kästen?
Unternehmen sind rechtlich verpflichtet, Erste-Hilfe-Vorkehrungen zu treffen. Der genaue Inhalt ist zwar nicht immer gesetzlich vorgegeben, er muss aber zur Gefährdungsbeurteilung und zum Arbeitsumfeld passen.
BS 8599-1 Standard für Erste-Hilfe-Kästen
In vielen britischen Kontexten orientieren sich Erste-Hilfe-Kästen am Arbeitsplatz am British Standard (BS) 8599-1, der vorgibt, was hineingehört. Größe und Umfang ergeben sich dabei aus der Zahl der Beschäftigten und dem Risikoniveau.
Warum ändert sich der Standard?
Britische Standards werden regelmäßig überprüft und bei Bedarf nachgeschärft. Die aktuelle Version BS 8599-1:2019 erschien im Januar 2019.

Checkliste für grundlegende Inhalte
Ob groß oder klein: Jedes Unternehmen braucht einen Erste-Hilfe-Kasten. Was hineingehört, ergibt sich aus einer Erste-Hilfe-Bedarfsanalyse, die mögliche Gefahren, die anfallenden Tätigkeiten und die Zahl der betroffenen Personen abwägt.
Nicht vergessen sollte man besondere Anforderungen wie Infektionsschutz oder COVID-19-Maßnahmen, die Ersthelfer und alle anderen Beteiligten schützen.
Erste-Hilfe-Kasten am Arbeitsplatz: Was gehört hinein?
Zu den Mindestinhalten können gehören:
- Pinzette
- 2 Dreiecktücher
- Klebebänder
- Pflasterbox
- Eine Rettungsdecke
- Wundpflaster
- Zwei elastische Binden
- Hinweise zum Anfordern von Notfallhilfe
- Zwei große sterile Mullkompressen
- Eine Rollenbinde
- 2 Paar latexfreie Handschuhe
- Schere
- Hilfsmittel zur Reanimation, etwa Taschenmaske oder Beatmungsbeutel
- Mittel zur Wundreinigung

Erste-Hilfe-Bedarfsanalyse
Eine Universallösung für Erste-Hilfe-Kästen am Arbeitsplatz gibt es nicht. Entscheidend ist, dass die Ausstattung zur Bedarfsanalyse passt.
Welche Inhalte ein Kasten tatsächlich braucht, klärt diese Analyse. Aus ihr leiten Arbeitgeber dann die passende Ausrüstung, die nötigen Einrichtungen und das Personal ab. Folgende Faktoren spielen dabei eine Rolle:
- Art der Arbeit
- Gefahren am Arbeitsplatz und erwartbares Risiko
- Unternehmensgröße und Zahl der Beschäftigten
- Unfall- und Vorfallhistorie des Unternehmens
Die Health and Safety Executive (HSE) gibt dafür Vorgaben und Empfehlungen heraus. Ihre Anforderungen an Erste-Hilfe-Kästen unterscheiden zwischen Umgebungen mit niedrigem und mit hohem Risiko.
Arbeitsumgebungen mit niedrigem und hohem Risiko
Arbeitsumgebungen lassen sich grob nach niedrigem und hohem Risiko einteilen. Danach richten sich Inhalt und Umfang des Erste-Hilfe-Kastens.
Arbeitsumgebungen mit niedrigem Risiko
Als Umgebung mit niedrigem Risiko gilt eine Arbeitsstätte, an der Verletzungen oder Erkrankungen wenig wahrscheinlich sind. Typische Beispiele sind Büros, der Einzelhandel, kleinere Geschäfte, Bars und Cafés. Hier ist die Arbeit weniger gefährlich, die Teams sind oft kleiner und medizinische Hilfe ist meist schneller zur Hand.
Inhalte bei niedrigem Risiko nach HSE
- Ein Merkblatt mit Grundlagen der Ersten Hilfe
- Sterile Pflaster in unterschiedlichen Größen
- Sterile Dreiecktücher
- Einweghandschuhe
- Sicherheitsnadeln
- Sterile Augenkompressen
- Wund- und Brandverbände
Unter COVID-19-Regeln können zusätzlich Handdesinfektionsmittel, Gesichtsschutz und Schutzmasken für Ersthelfer nötig werden. Medikamente oder Tabletten gehören dagegen nicht in den Kasten, sofern sie nicht ausdrücklich vorgesehen sind.
Arbeitsumgebungen mit hohem Risiko
In Hochrisikoumgebungen sind Verletzungen oder Erkrankungen deutlich wahrscheinlicher, etwa in professionellen Küchen, an gefährlichen Anlagen oder auf Baustellen. Der Erste-Hilfe-Kasten muss hier auf die konkreten Gefahren des Betriebs zugeschnitten sein.
Beispiele für zusätzliche Inhalte
- Einwegschürzen
- Hypoallergenes mikroporöses Klebeband
- Sterile Einwegpinzette
- Kleiderschere
- Tourniquets
- Folien- oder Rettungsdecken
- Einzeln verpackte feuchte Reinigungstücher
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Wo werden Erste-Hilfe-Kästen benötigt?
Eine geeignete Erste-Hilfe-Ausstattung sorgt dafür, dass Beschäftigte bei einer Verletzung oder Erkrankung schnell versorgt werden. Üblicherweise braucht man Erste-Hilfe-Kästen in:
- Büro und Arbeitsplatz
- Kinderbetreuung
- Gastgewerbe und Catering
- Bauwesen und Fahrzeugen
- Zuhause
- Rettungswagen
Jede Branche stellt eigene Anforderungen. Weil Mitarbeiterzahlen und Risikoniveaus schwanken, gelten jeweils spezielle Regeln, die Beschäftigte im Notfall schützen sollen. Verwandte Begriffe rund um Arbeitssicherheit und Compliance finden Sie in unserem Glossar.
Anforderungen an Erste-Hilfe-Kästen in Fahrzeugen
Ein Fahrzeug-Erste-Hilfe-Kasten gehört zur Grundausstattung und bündelt die wichtigsten Materialien für den Notfall. Der British Standard BS 8599-2:2014 nennt empfohlene Größen für Fahrzeugkästen, gestaffelt nach der Zahl der Passagiere. BS 8599-1:2019 rät zudem zu einem mittelgroßen Kasten für alle, die beruflich unterwegs sind oder fahren.
Wichtige Inhalte für Fahrzeuge sind:
- Kleiderschere
- Brandverbände
- Sterile Tücher
- Rettungsdecke
- Gesichtsschutz
- Nitrilhandschuhe
- Wasserfeste Pflaster
- Dreiecktuch
- Trauma- und sterile Verbände
Anforderungen auf Baustellen
Die Bauindustrie zählt zu den Hochrisikobranchen. Umgebung, Stoffe und eingesetzte Ausrüstung bergen für die Beschäftigten zahlreiche ernste Gefahren. Entsprechend sollte ein Erste-Hilfe-Kasten hier die Inhalte für Hochrisikoumgebungen umfassen.
Zusätzlich zur Grundausstattung können Arbeitgeber auf Baustellen Folgendes vorsehen:
- Tourniquets für starke Blutungen
- Alkoholbasiertes Desinfektionsmittel
- Fingerverbände
- Augenspüllösung bei Fremdkörpern oder Gefahrstoffen
- Rettungsdecken bei Unterkühlung und Schock
- Hydrogel-Brandverbände und Gele
- Kleiderschere
- Klinische Abfallbeutel
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Wo finde ich Erste Hilfe am Arbeitsplatz?
Platzieren Sie den Erste-Hilfe-Kasten an strategischen Punkten im Gebäude. Hinweisschilder weisen den Weg dorthin und nennen die Kontaktdaten der Ersthelfer. Sinnvoll ist außerdem, Kästen nah an den Arbeitsplätzen vorzuhalten und dafür zu sorgen, dass jeder weiß, wer Ersthelfer ist. Werden Fahrzeuge genutzt, darf der Fahrzeug-Erste-Hilfe-Kasten nicht fehlen.
Wie viele Erste-Hilfe-Kästen brauche ich bei der Arbeit?
Laut BS 8599-1 braucht jeder Arbeitsplatz mindestens einen Erste-Hilfe-Kasten in passender Größe. Wie er ausgestattet ist, hängt vom Bedarf der Organisation, der Zahl der Beschäftigten und den Gefahren vor Ort ab.

Orientierung für niedriges Risiko
- Bei mehr als 25 Personen ist mindestens ein kleiner Kasten erforderlich.
- Bei 25 bis 100 Beschäftigten wird ein mittlerer Kasten benötigt.
- Bei mehr als 100 Personen wird ein großer Kasten benötigt.
Orientierung für hohes Risiko
- Bei weniger als 5 Beschäftigten wird ein kleiner Kasten benötigt.
- Bei 5 bis 25 Beschäftigten wird ein mittlerer Kasten benötigt.
- Bei mehr als 25 Beschäftigten wird ein großer Kasten benötigt.
Überwachung von Erste-Hilfe-Kästen
Erste-Hilfe-Kästen gehören regelmäßig kontrolliert. So stellen Sie sicher:
- Der Behälter und die Inhalte sind nicht beschädigt.
- Sterile Artikel sind nicht abgelaufen.
- Der Kasten enthält keine unzulässigen Materialien wie Tabletten.

Wie wird man Ersthelfer?
Viele Regelwerke verlangen ab mehr als fünf Beschäftigten eine angemessen qualifizierte Erste-Hilfe-Person je 50 Beschäftigte. Weil Ersthelfer in Urlaub, krank oder in der Pause sein können, braucht es zudem Vertretungen.
Erste-Hilfe-Kurse bieten zahlreiche Organisationen an. Nach dem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat und sollten ihr Wissen regelmäßig auffrischen. Was das kostet, richtet sich nach Kursumfang und Risikoniveau der Organisation.
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Fazit
Erste Hilfe am Arbeitsplatz kann im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden, und genau das macht sie so wichtig. Arbeitgeber sind gefragt, geeignete Mittel bereitzustellen, damit aus einer Verletzung oder Erkrankung nichts Schlimmeres wird. Mindestens ein passender Erste-Hilfe-Kasten gehört an jeden Arbeitsplatz.
Bevor Sie über Anzahl, Inhalt und Zusatzausstattung entscheiden, steht eine Erste-Hilfe-Bedarfsanalyse an. Die Kästen sollten mit BS 8599-1 vereinbar sein, die Materialien den Anforderungen genügen.
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FAQ
Welche Anforderungen gelten für einen Erste-Hilfe-Kasten?
In einen grundlegenden Erste-Hilfe-Kasten gehören unter anderem Pflaster, sterile Mullverbände, sterile Augenverbände, Dreiecktücher, gerollte Binden, Sicherheitsnadeln, sterile Einweghandschuhe und Pinzetten.
Welche OSHA-Anforderungen gelten für Erste Hilfe?
OSHA-Standards verlangen je nach Branche Erste-Hilfe-Schulungen und die Verfügbarkeit medizinischer Hilfe. Unternehmen sollten ausreichend geschulte Ersthelfer für Notfälle bereithalten.
Ist ein Erste-Hilfe-Kasten gesetzlich vorgeschrieben?
Ja. Unternehmen müssen geeignete Erste-Hilfe-Vorkehrungen treffen und passende Erste-Hilfe-Materialien bereitstellen.
Wo kann man einen Erste-Hilfe-Kasten kaufen?
Es gibt viele Anbieter. Wichtig ist, bei einem seriösen Lieferanten zu kaufen, dessen Produkte die relevanten Standards wie BS 8599-1 erfüllen.
Welche Stufen von Erste-Hilfe-Kästen gibt es?
WorkSafeBC unterscheidet mehrere Stufen, vom persönlichen Erste-Hilfe-Set bis zu Level-1-, Level-2- und Level-3-Kästen. OHS-Leitlinien nennen Mindestinhalte für jede Stufe.


